Friday, September 02, 2005

Digitales Zuhause - Alles au�er Beamen
10.03.2005 10:03 Uhr Laser- und Licht-Show am Er�ffnungsabend. Foto: dpa Digitales Zuhause Alles au�er Beamen Wer in einem vernetzen Haus wohnt, muss nie mehr Staubsaugen, selbst der Beutel wechselt sich von allein. Das und vieles mehr regelt der pers�nliche, digitale Assistent.
Berlin - Staubsaugen zum Beispiel bleibt den Bewohnern erspart. Selbst wenn solche darunter sind, denen der Gebrauch von Fu�matten fremd ist. Per Knopfdruck f�hrt eine kleine, runde Maschine durch die R�ume - und saugt. St��t sie an einen Widerstand, dreht sie um, auch vor Treppen wendet sie. Ist der Akku leer oder der Beutel voll, f�hrt sie zur�ck zur Basisstation und l�dt sich auf oder wartet auf einen neuen Beutel. Der selbstst�ndige Staubsauger ist allerdings nur ein Detail im 'Digitalen Zuhause'. Mitten in Berlin nahe dem Potsdamer Platz pr�sentiert die Deutsche Telekom zusammen mit Siemens das 'T-Com-Haus'. Bis Ende des Jahres wird das digitale Haus an den Wochenenden probebewohnt und dann wird es abgerissen. Foto: dpa Lange r�tselten die Berliner, was ein frei stehendes Einfamilienhaus mit Giebeldach an der viel befahrenen Leipziger Stra�e verloren hat. Seit die magentafarbenen Flaggen gehisst sind, wissen sie, dass es hier um Technik gehen muss. Oder genauer: Technologien, die den Alltag erleichtern sollen. 'Wir haben aber nicht alles eingebaut, was technisch denkbar ist', sagt T-Com-Sprecher Willfried Seibel. Sondern nur, was bereits verkauft wird oder auf den Markt kommen soll. Schlie�lich muss es sich auch im Alltag bew�hren - denn am 1. April kommen die ersten Bewohner. Fortsetzung (Seite 1/2) 1 | 2 n�chste Seite Artikel drucken Artikel empfehlen Kontakt zur Redaktion
Im Freudenhaus Gottes
FUNDAMENTALISMUS Im Freudenhaus Gottes Von Alexander Schwabe Viele fundamentalistische Mormonen sehen in Frauen reine Sexualobjekte und verbr�men dies theologisch nach den kruden Vorstellungen des Religionsgr�nders Joseph Smith. Offiziell distanziert sich die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage von der Vielehe. Doch Kritiker halten dies f�r ein vorl�ufiges Lippenbekenntnis.
AFPMormonen-Tempel in Salt Lake City w�hrend der olympischen Winterspiele 2002Es war wohl die schlimmste Nacht ihres Lebens. Janice Hepper, dritte Frau des Polygamisten Bruce Wakeham, gab sich gerade ihrem Mann hin, als dessen erste Frau aufstand, um etwas zu trinken. Als sie vernahm, wie ihre Nebenfrau mit dem Herrn des Hauses schlief, r�usperte sie sich h�rbar. Bruce Wakeham holte sie daraufhin ebenfalls ins Bett und verkehrte nun abwechselnd mit beiden. Hepper war wie aufgel�st. Den ganzen n�chsten Tag �ber kauerte sie in einer Ecke. 'Etwas in mir schrie. Ich war zutiefst ersch�ttert und verletzt', sagt sie. Der Vorfall habe sie auf so vielf�ltige Art gesch�digt, dass sie es noch immer nicht verarbeitet habe. Wakeham war Mitglied in der von der Mormonenkirche abgespaltenen Fundamentalistengruppe um die Br�der LeBaron. In dieser Splittergruppe sind Verm�hlungen zwischen V�tern und T�chtern und zwischen Geschwistern ebenso selbstverst�ndlicher Teil gelebten Glaubens wie religi�s motivierte S�hnemorde, mit denen die LeBaron-Familie Schlagzeilen machte. APMormonen spielen den Zug nach Westen nach: 'Es kommt einem vielleicht drollig vor'Die 'Kirche der Erstgeborenen der Vollendeten Zeit', wie die LeBarons ihre Konfession nennen, ist eine von rund einem Dutzend erzreaktion�rer Hauptstr�mungen fundamentalistischer Mormonen. Schicksale wie das Heppers hat die Journalistin Andrea Moore-Emmett in ihrem j�ngst in den USA erschienenen Buch 'God's Brothel' beschrieben. Alle diese Frauen litten schwer unter den Rivalit�ten der Mitehefrauen und unter dem streng hierarchischen Patriarchat ihrer bigotten M�nner. 'M�nner sind die G�tter des Haushalts' Laut Moore-Emmett versuchen Frauen immer wieder, ihren M�nnern oder V�tern zu entkommen. Da sie kaum Kontakte au�erhalb der Sekten h�tten, scheiterten die Fluchtversuche h�ufig. Junge Frauen, die gegen ihren Willen verheiratet werden sollen, trauten sie sich nicht, sich gegen die m�nnlichen Autorit�ten aufzulehnen. 'M�nner sind die G�tter des Haushalts', sagt Moore-Emmett. Erzwungene Ehen, Inzest - viele M�nner schreckten vor nichts zur�ck. F�r sie seien Frauen nicht mehr als Sexobjekte und n�tzliche Arbeitstiere. Die Vielehe f�hre h�ufig dazu, dass Frauen fr�her oder sp�ter von der F�rsorge leben m�ssen. 'Sie stellen sich dann als Dummchen dar, die jedes Jahr schwanger werden, ohne genau zu wissen, wer die V�ter sind.' Die Rate derjenigen, die von staatlicher Sozialhilfe leben, sei in den USA nirgends so hoch wie in den Gegenden der fundamentalistischen Polygamisten. Den Bezug der Sozialhilfe rechtfertigten sie damit, 'das Tier' - sprich den Staat - 'ausbluten' lassen zu wollen. Auch sehen viele Mormonen in der Regierung eine 'satanische Macht'. Sie weigern sich, Steuern zu zahlen. Vicky Prunty, die selbst die Erfahrung einer polygamen Ehe gemacht hat, hat vor sechs Jahren die Selbsthilfeorganisation 'Tapestry against Polygamy' gegr�ndet, eine Anlaufstation f�r Opfer der Vielehe. Sie sagt: 'Es kommt einem vielleicht ganz drollig vor, wie fundamentalistische Mormonen leben. Man denkt, sie seien so putzig wie die Amish-Leute, doch das ist nicht wahr.' Die krude Mischung des Buchs Mormon APReligionsgr�nder Joseph Smith: Mindestens 33 FrauenDer selbst ernannte Prophet Joseph Smith hatte die Kirche 1830 in Fayette im Staat New York gegr�ndet. In einer kruden Mischung aus g�ttlicher Offenbarung und biblischer �berlieferung verfasste er das Buch Mormon. Der Legende nach soll ein �berlebender Gottesf�rchtiger aus einem seit Jahrhunderten ausgestorbenen israelischen Stamm namens Mormon in der Gestalt eines Engels Smith goldene Platten �berreicht haben. Darauf habe die Botschaft f�r das 'Buch Mormon' in 'reformiertem �gyptisch' gestanden. Nach einer angeblich g�ttlichen Eingebung f�hrte Kirchengr�nder Smith die Vielehe 13 Jahre sp�ter ein. Fortan hatte die Polygamie in Smiths Religion eine zentrale Stellung. Im Glaubensbuch 'Lehre und B�ndnisse' ist sie im Abschnitt 132 kanonisiert. Smith selbst heiratete mindestens 33 Frauen, m�glicherweise waren es gar 48, die j�ngste freite er, als sie gerade mal 14 Jahre alt war. 'Wenn einem Mann zehn Jungfrauen gegeben sind, begeht er keinen Ehebruch, da sie ihm geh�ren, und sie ihm gegeben sind. Daher ist er gerechtfertigt ... Doch sollte eine der zehn Jungfrauen nach ihrer Verm�hlung mit einem anderen Mann zusammen sein, so begeht sie Ehebruch und soll verdammt sein', hei�t es in dem Glaubensbuch. Polygamie und Sklaverei - �berbleibsel der Barbarei APDas Buch Mormon: Eine von 5000 Kopien des OriginalsWenige Jahre sp�ter versuchte Pr�sident Abraham Lincoln (1861 bis 65) gegen die Polygamie vorzugehen. Die Republikaner hatten im Jahr 1856 Polygamie und Sklaverei als 'zwei gleichartige �berbleibsel der Barbarei' verurteilt. 1879 verbot der Oberste Gerichtshof der USA den Mormonen, die Vielehe zu praktizieren. Diese widersetzten sich jedoch. Ihr Pr�sident John Taylor erkl�rte die Polygamie zu einer g�ttlichen Einrichtung. 'Sie ist uns von Gott gegeben. Ich trotze den Vereinigten Staaten. Ich gehorche Gott.' Viele Anh�nger der neuen Religion waren nach Westen gezogen und lie�en sich in dem Gebiet des Gro�en Salzsees nieder. Smith war l�ngst von einem Mormonenhasser ermordet worden, als sich seine Kirche 1890 in einem Manifest offiziell von der Polygamie lossprach - als Voraussetzung daf�r, dass Utah am 6. Januar 1896 amerikanischer Bundesstaat werden konnte. Dieses Manifest erreichte niemals den Rang der Glaubenss�tze aus Smiths Verm�chtnis 'Lehre und B�ndnisse'. Es besagte jedoch, dass Kirchenmitglieder, die polygam lebten, exkommuniziert werden sollten. Etliche Gl�ubige spalteten sich daraufhin von der Hauptkirche ab. Herrschaft des neuen Propheten APPalmyra, New York: Nachbildung des Hauses, in dem Smith seine Eingebungen hatteViele der Abtr�nnigen leben heute in den Hochburgen der Polygamie, in den benachbarten Orte Hildale (Utah) und Colorado City (Arizona). Hinter hohen Mauern und mit zahlreichen Frauen - herrscht dort heute ein neuer Prophet: Warren Jeffs. Der 47-J�hrige hatte die Nachfolge des bisherigen F�hrers, seines Vaters Rulon, der 70 Ehefrauen gehabt haben soll, vor zwei Jahren angetreten. Eigenen Aussagen zufolge ist Warren Jeffs vom unmittelbar bevorstehenden Armageddon �berzeugt. Sein Vater hatte bereits prophezeit, die Welt werde im Jahr 2000 durch einen Feuersturm sauber gefegt. Auf diesem Hintergrund predigt der Sohn seinen Gl�ubigen, die Anschl�ge auf das World Trade Center und das Pentagon seien ein sehr gutes Zeichen und Grund gro�er Hoffnung. Offiziell distanzieren sich die F�hrer der 'Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage' von derartigen Fundamentalisten. Dennoch haben sie eines mit ihnen gemeinsam, warnt Moore-Emmett: Sie glauben an dieselben heiligen Schriften und an dieselbe Heilsgeschichte. Vielehe - dominierende Lebensform der Zukunft APMormonen beim GottesdienstWissenschaftler sehen in der Vielehe bereits die dominierende Lebensform der Zukunft. Yale-Professor Harold Bloom etwa vertritt die These, in sechzig Jahren sei der Glaube der 'Heiligen der Letzten Tage' so weit verbreitet, dass es unm�glich sein wird, die USA 'ohne die Zusammenarbeit mit den Mormonen' zu regieren. Keine andere amerikanische Religion sei so ehrgeizig, keine zweite von derart k�hner Spiritualit�t: Die Mormonen wollten von zehn Millionen auf sechs Milliarden Mitglieder anwachsen. Das Ideal der 'himmlischen Ehe' h�tten sie nie aufgegeben. Sollten sie eines Tages gen�gend politische und finanzielle Macht besitzen, so Blooms �berzeugung, werden sie die Vielehe wieder einf�hren. Helmut Obst, Theologieprofessor an der Martin-Luther-Universit�t Halle-Wittenberg, h�lt Blooms Einsch�tzung f�r eine 'extreme Sichtweise'. Obwohl sich die Mormonen theologisch nie grunds�tzlich von der Polygamie verabschiedet h�tten, sei es 'au�erordentlich unwahrscheinlich', dass sie die Vielehe wieder etablieren wollten. Unstrittig ist, dass die Mormonen auf ihrem Weg, die erste neue Weltreligion seit der Entstehung des Islams vor rund 1500 Jahren zu werden, gut voranzukommen. Bereits heute gibt es weltweit mehr Mormonen als Juden. Nach Recherchen des Autors John Krakauer ('Mord im Auftrag Gottes') sind die Nachfolger Smith' wirtschaftlich sehr erfolgreich. Die j�hrlichen Einnahmen werden auf sechs Milliarden Dollar gesch�tzt. Missionarischer Eifer und keine Empf�ngnisverh�tung Pince-Nez PressDie Verbreitung fundamentalistischer Christen und fundamentalistischer Mormonen in den USANeben der Mission - st�ndig sind 60.000 Glaubensboten in aller Welt unterwegs - tragen die Mormonen auch rein biologisch zur Ausbreitung ihrer Religion bei: Die Kirche verbietet Empf�ngnisverh�tung und Abtreibung. Mormonische Paare haben die Pflicht, so viele Kinder zur Welt zu bringen, wie sie ern�hren k�nnen. Utah County hat mittlerweile die h�chste Geburtenrate in den USA. 73 Prozent der Bev�lkerung sind dort bereits mormonischen Glaubens. Laut Krakauer ist die Geburtenrate dort h�her als in Bangladesch. Weltweit h�ngen der 'Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage' rund zw�lf Millionen Mitglieder an. Junge M�nner und Frauen der Mormonen werden im Alter zwischen 19 und 21 auf Missionsreise in alle Welt ausgesandt - wof�r sie eigens in Trainingscentern vorbereitet werden. Vergangenen Juni erst haben sie mitten in Manhattan den 119. Mormonentempel eingeweiht. Noch vor vier Jahren waren es lediglich 50 Tempel. Jedes Jahr errichten die Frommen rund 400 neue Gemeindeh�user. In Deutschland gibt es zwei Tempel f�r rund 36.000 Mitglieder. Noch haben die Mormonen ihr Reich nicht auf den ganzen Globus ausgedehnt. Noch nicht einmal in den fundamentalistischen Gemeinden sind die Verh�ltnisse paradiesisch. Moore-Emmett sagt, das Leben dort gleiche eher dem unter den Taliban in Afghanistan - der Herrschaft der Taliban jedoch hat die US-Regierung mehr Augenmerk geschenkt.

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